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Manifest: Aufruf zu einer erfolgreichen Verkehrswende im Kontext der Erneuerbaren Energien

München/Pforzheim, 21. November 2018: Der jüngst erschienene Sonderbericht des Weltklimarates (IPCC) zeichnet ein düsteres Bild, sollte die globale Erwärmung um mehr als 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau steigen. Doch bereits im Juni hat die Bundesregierung bekannt gegeben, dass die nationalen Klimaschutz-Ziele nicht erreicht werden. Statt den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 planmäßig um 40 Prozent zu senken, könnten lediglich 32 Prozent der Emissionen eingespart werden. Politische Kurskorrekturen dieser Art sowie die alarmierenden Berichte zum Klimaschutz haben die Veranstalter der Power2Drive zusammen mit weiteren Unterstützern zu einem Manifest veranlasst. Das Ziel: die enge Verknüpfung von Elektromobilität und Erneuerbaren Energien voranzutreiben und eine nachhaltige Zukunft zu erreichen. Die Branche ist bereit, es fehlt jedoch das konsequente Handeln der Politik. Welches Potenzial in dieser Kombination aus Mobilität und sauberem Strom steckt und inwieweit die Sektorenkopplung weiter in den Fokus gestellt werden muss, zeigt The smarter E Europe, die größte energiewirtschaftliche Plattform in Europa, die vom 15. bis zum 17. Mai 2019 auf der Messe München stattfinden wird. 

 

Die Zeiten, in denen Deutschland aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) als internationaler Vorreiter in Sachen Klimaschutz galt, sind vorbei. Im Klima-Ranking der EU-Staaten liegt Deutschland nur noch auf Platz 8, weil Klimaziele verfehlt und Reformmaßnahmen behindert wurden. So hatte die Bundesumweltministerin Svenja Schulze noch im Sommer die klare Forderung ausgegeben, den CO2-Ausstoß von Neuwagen bis 2030 um 45 Prozent verringern zu wollen. Aufgrund der möglichen Auswirkungen auf die Automobilindustrie war die Bundesregierung mit diesem Ziel allerdings nicht einverstanden. Deshalb folgte Schulze nun dem Vorschlag der EU-Kommission, der die CO2-Emissionen im Straßenverkehr lediglich um 30 Prozent senken will. Solche Positionswechsel schaden vor allem der Umwelt, sie bremsen aber auch Entwicklungen in Industrie und Wirtschaft aus. Denn die technologischen Lösungen, die benötigt werden, um dem Klimawandel wirksam und ökonomisch vor allem auch im Verkehrssektor entgegenzuwirken, sind bereits vorhanden. 

Für ihre verstärkte Anwendung benötigt die Industrie jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen. Deshalb haben die Veranstalter der Power2Drive eine starke Allianz gegründet, die sich für die Idee einer erfolgreichen Verkehrswende im Kontext der erneuerbaren Energien und einer nachhaltigen Zukunft einsetzt. Zu den Erstunterzeichnern des Manifestes gehören der Bundesverband eMobilität e.V., Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V., Bundesverband Solare Mobilität e.V., Bundesverband Solarwirtschaft e.V., Bundesverband WindEnergie e.V., Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. sowie International Battery & Energy Storage Alliance.

Investitionen in die Zukunft

In einem gemeinsamen Manifest fordern sie nicht nur ein klares Signal von Seiten der Politik, sondern auch eine progressive, konsequente Handlungsweise von Wirtschaft und Bürgern. Nur wenn dieses neue Handeln gefordert und gefördert wird, besteht die Chance, die Energiewende in allen Sektoren voranzubringen und so die Klimaziele doch noch zu erreichen. Die Allianz hat deshalb sieben Empfehlungen formuliert, um aufzuzeigen, warum eine enge Verknüpfung von Elektromobilität und Erneuerbaren Energien nicht nur sinnvoll, sondern sogar zwingend notwendig ist. Sie verlangt, die Fehler aus der Vergangenheit als Antrieb für ein entschlossenes Handeln in der Gegenwart zu nutzen. Um dem Voranschreiten des Klimawandels beizukommen, sind Investitionen in Erneuerbare Energien nötig. Nur wenn die Politik klare Rahmenbedingungen definiert, kann die Grundlage für ein Gelingen der Energiewende geschaffen werden. Zudem muss bei der Umgestaltung des Verkehrssektors der Fokus klar auf Erneuerbaren Energien liegen, um einen positiven Effekt auf das Klima erzielen zu können. Das heißt im Umkehrschluss: Der für Elektrofahrzeuge anfallende Mehrbedarf an Strom darf nicht von herkömmlichen Energieträgern wie Kohle, Erdgas, Erdöl oder Kernenergie gedeckt werden.

Konsequentes, progressives Handeln in Europa

Die Sektorenkopplung, also die intelligente Verzahnung der Sektoren Strom, Wärme und Mobilität, kann nur funktionieren, wenn die Elektromobilität in ein flexibles System Erneuerbarer Energien eingebettet wird. Dafür müssen zunächst wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, ohne dass dabei gesetzliche, regulatorische, bürokratische oder finanzielle Barrieren für den Ausbau der Erneuerbaren Energien entstehen. Auch die systemdienliche Steuerung von Ladevorgängen sowie die Eingliederung der Ladeinfrastruktur in Flexibilitätsmärkte muss konsequent verfolgt werden, um das Speicherpotenzial aus dem Mobilitätssektor voll ausschöpfen zu können. 
Darüber hinaus muss die Energieversorgung in Zukunft dezentral und sektorenübergreifend gestaltet sein. Für eine höhere Versorgungssicherheit sowie Netzstabilität ist die Investition in den Ausbau eines intelligenten dezentralen Netzes unumgänglich. Die Bemühungen um die Energiewende dürfen nicht an den jeweiligen Landesgrenzen stoppen, sondern Politik und Industrie müssen sich europaweit vernetzen und austauschen, um flexible, flächendeckende Elektromobilität zu gewährleisten. Mithilfe attraktiver Gesamtpakete aus Erneuerbaren Energien und Elektromobilität muss die Klimaneutralität in allen Bereichen konsequent gefördert und gefordert werden.
Außerdem müssen Politik, Industrie und Bürger gemeinsam an einem Strang ziehen, damit Deutschland die Ziele der Energiewende erreicht und zum Leitmarkt für Elektromobilität wird. Die Verkehrswende kann nur gelingen, wenn die politischen Akteure über alle Ebenen und Grenzen Europas hinaus zusammenarbeiten. Abschließend fordert die Allianz, dass nicht nur im Verkehrs- und Energiesektor umgedacht werden muss, sondern auch eine Mobilitätswende vonnöten ist. Um die angestrebte Klimaneutralität des Verkehrs zu erreichen, muss der Endenergieverbrauch gesenkt werden, ohne dabei die Mobilität einzuschränken. Dazu braucht es intelligente Ideen für den öffentlichen Nahverkehr, Sharing-Konzepte und eine angepasste Städtebaupolitik. 

>> Das komplette Manifest finden Sie hier.