Die Mobilitätswende intelligent gestalten: Jaap Burger im Interview

Experteninterview – 25. August 2026

Die intelligente Integration von Elektrofahrzeugen liegt an der entscheidenden Schnittstelle zwischen menschlichem Verhalten, Technologie und dem Energiesystem. Als selbstständiger Strategieberater und Gründer von Watture entwickelt Jaap Burger seit über 15 Jahren erfolgreiche technische, regulatorische und geschäftliche Strategien, um den Übergang zu elektrischer Mobilität zu beschleunigen.

Jaap Burger spricht über den strategischen Rollout von Ladeinfrastruktur, das enorme Potenzial von Smart Charging und bidirektionalem Laden für die Netzstabilität sowie die politischen Rahmenbedingungen, die für ein erfolgreiches, kundenorientiertes öffentliches Ladenetzwerk notwendig sind.

Ich denke, eine transparente Preisgestaltung hilft hier sehr: Man kann zum Beispiel zeigen, dass das Laden standardmäßig für die Zeiten geplant wird, in denen die Preise am niedrigsten sind. Gleichzeitig gibt man dem Nutzer die Wahl und vermittelt ihm ein Verständnis für die Konsequenzen. Für V2G ist Vertrauen sogar noch wichtiger: Ich halte es für noch sinnvoller, einen vom Nutzer vertrauten Dienst zu haben, der das Laden und Entladen überwacht, unabhängig davon, wo geladen wird. Die Herausforderung besteht daher in erster Linie darin, sicherzustellen, dass diese vom Nutzer ausgewählten Dienstleister überall effektiv arbeiten können – und das gilt sowohl für intelligente unidirektionale als auch für intelligente bidirektionale Systeme. Auch hier bilden die Preise die notwendige Grundlage.

Dass öffentliches Laden unelastisch ist. Allzu oft wird das Ladeverhalten als gegeben hingenommen, während es mit den richtigen Preissignalen – die derzeit oft völlig fehlen – und den richtigen Tools, auf die sich die Nutzer verlassen können, möglich ist, einen Großteil der Ladenachfrage sehr effektiv aus den Spitzenzeiten auszulagern. Und umgekehrt lässt sie sich auf Zeiten verlagern, in denen beispielsweise mehr als genug Kapazität im Netz vorhanden ist, wie mitten am Tag bei reichlich Sonnenschein oder während der Nacht. Das öffentliche Laden wird dann oft durch alle möglichen Einschränkungen noch komplexer gemacht: durch Beschränkungen der Ladekapazität während der Spitzenzeiten und der Ladedauer, da man davon ausgeht, dass dies zu höheren Umsätzen führen würde. Beides steht der Nutzung von Flexibilität im Weg, die aus gesellschaftlicher Sicht tatsächlich zu niedrigeren Kosten führt. Meiner Ansicht nach sollte „öffentlich“ also „Flexibilität fördern“ bedeuten.

Es mangelt oft noch an präzisen Echtzeit-Preissignalen aus dem Netz, die die Energiepreise ergänzen: Die Netzentgelte sind zu statisch. Zudem verursachen Abgaben und Steuern erhebliche Zusatzkosten, die die zugrunde liegende Dynamik verschleiern. Bei Netzentgelten – insbesondere dort, wo es viele verschiedene Nutzer gibt, wie beispielsweise an öffentlichen Ladestationen – funktionieren zeitabhängige, verbrauchsabhängige Netzpreise besser als Kapazitätspreise, die dem einzelnen Nutzer keinen Anreiz bieten. Die europäischen Länder müssen in diesem Bereich noch Maßnahmen ergreifen, wie es auch in den Leitlinien der Europäischen Kommission zu Netzentgelten empfohlen wird.

Das hängt stark vom jeweiligen Netzstandort ab, aber generell lässt sich der Netzausbau sicherlich um mehrere zehn Prozent des Elektrofahrzeuganteils und damit um eine ähnliche Anzahl von Jahren hinauszögern. Insbesondere wenn die Netznutzung standort- und zeitabhängig bepreist wird, um langfristige Kosten zu berücksichtigen, kann preisgesteuertes Laden automatisch Spitzenzeiten vermeiden.

Der Großteil des Ladevorgangs erfolgt dann auf intelligente Weise: Ein Dienst, der Nutzerpräferenzen, logistische Routenplanung, Busfahrpläne usw. berücksichtigt, stellt sicher, dass diese Parameter – zusammen mit Preisen, der Verfügbarkeit von Ladestationen, Fahrzeugdaten usw. – korrekt verarbeitet werden, um einen idealen Ladeplan zu erstellen, der insgesamt in Echtzeit flexibel bleibt. Dies schafft Raum für Ausnahmen: Hin und wieder beispielsweise das Laden auf nicht-intelligente Weise. Und manchmal beinhaltet intelligentes Laden auch bidirektionales Laden: die Rückspeisung von Strom ins Netz oder das Freimachen von Platz im Depot für die Fahrzeuge, die gerade in diesem Moment geladen werden müssen. Aber vielleicht weniger als erwartet: Nicht jedes Fahrzeug durchläuft täglich einen Lade- und Entladezyklus, doch die bloße Verfügbarkeit reicht aus. Deshalb muss auch die Ladeinfrastruktur allgegenwärtig werden – Hand in Hand mit sinkenden Kosten und optimierten Prozessen.

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