Auf dem Busparkplatz vor der Allianz Arena ist vor Kurzem mit zwei Ladesäulen eine Lademöglichkeit für Elektro-Nutzfahrzeuge live gegangen. Jürgen Muth, Geschäftsführer der Allianz Arena, und Michael Voll, Leiter von MAN Transport Solutions, berichten über die Entwicklung des Projekts und die Perspektiven für die Zukunft.
Michael Voll: „Aus unserer Sicht ist die Allianz Arena ein logistisch optimaler Standort für schwere Elektro-Nutzfahrzeuge: Sie liegt direkt am Autobahnkreuz München Nord – einem der am stärksten frequentierten Lkw Korridore Europas mit bis zu 10.000 Fahrzeugen täglich. Und sie bietet hervorragende technische Voraussetzungen: Die Arena verfügt über ein leistungsstarkes Stromnetz, das außerhalb der Spieltage nur gering ausgelastet ist und daher ideale Voraussetzungen für Hochleistungs- und künftig Megawattladen bietet. Für Flottenbetreiber bedeutet das: minimale Streckenabweichung, maximale Ladeeffizienz.“
Jürgen Muth: „Aktuell ruht der Ladebetrieb für Lkw während der Spieltage noch. Wir planen jedoch bereits für die Zukunft, um dann auch Fanbussen mit Elektroantrieb die nötige Infrastruktur bieten zu können.“
Jürgen Muth: „Durch leistungsstarke Ladepunkte wird die Arena zu einem wichtigen Knotenpunkt für E-Lkw, die im Fernverkehr unterwegs sind. Langfristig sollen auch E-Reisebusse, zum Beispiel für Fan-Clubs oder Mannschaften, dort laden können, was ebenfalls die CO2-Bilanz der Spieltage verbessert. Als weltbekanntes Stadion möchte die Allianz Arena natürlich ihre eigene Nachhaltigkeitsstrategie umsetzen und zeigen, dass Hochleistungsladen auch an öffentlichen Veranstaltungsorten möglich ist und funktioniert. Damit leisten wir einen strategischen Beitrag zum Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge an den zentralen Verkehrsachsen A9 und A99.“
Michael Voll: „Wir haben die Allianz Arena von Anfang an partnerschaftlich beraten - von der initialen Netzlastanalyse über Leistungsdimensionierung bis zur Integration der Megawatt-Ladeinfrastruktur. Unser MAN Transport Solutions Team arbeitet immer datengetrieben an den Projekten: Wir modellieren Lastverläufe, Anwendungsszenarien, Verkehrsprofile und Energieflüsse. Auf dieser Basis wurde ein passendes Ladekonzept erstellt, das technisch robust, netzverträglich und zukunftsfähig ist. Darüber hinaus bringen wir das Know how ein, das wir aus europaweiten Infrastrukturprojekten und Kooperationen mit Energieversorgern gewonnen haben.“
Jürgen Muth:„Ein solches Projekt bringt natürlich spezifische Herausforderungen mit sich. Knifflig war die technische Anbindung an das Hochspannungsnetz, da die Leistungsanforderungen für das gleichzeitige Laden mehrerer schwerer Lkw enorm sind. Auch die logistische Abstimmung – also die Infrastruktur so zu integrieren, dass sie den regulären Stadionbetrieb nicht stört – war ein komplexer Planungsprozess. Dank der engen und konstruktiven Zusammenarbeit mit MAN und Milence sowie den lokalen Behörden konnten wir diese Hürden jedoch erfolgreich meistern.“
Jürgen Muth: „Wir planen in Stufen: Nach dem erfolgreichen Start der aktuellen Säulen prüfen wir kontinuierlich den Bedarf. Das langfristige Zielbild ist ein Ladepark, der als Vorbild für weitere Ladepunkte, zum Beispiel bei anderen Sportstätten vor allem in Deutschland dient. Wir wollen die notwendige Infrastruktur ausbauen, damit der Umstieg auf Elektroantriebe im Schwerlast- und Busverkehr keine logistische Hürde mehr darstellt, sondern direkt vor unserer Haustür zur Realität wird.“
Jürgen Muth: „Mit der derzeitigen Infrastruktur der Ladeeinrichtungen sind an der Allianz Arena aktuell noch sieben weitere Ladesäulen möglich.“
Michael Voll: „Viele europäische Stadien erfüllen alle Voraussetzungen für Lkw-Ladeinfrastruktur: große Netzanschlüsse, niedrige Auslastung außerhalb von Eventtagen. Sie bieten außerdem ausreichend Fläche für Heavy Duty Ladeinfrastruktur und oftmals eine gute Anbindung an das Straßennetz an wesentlichen Verkehrsknotenpunkten. Das Projekt Allianz Arena zeigt, wie solche Standorte aktiviert werden können. Die Grundvoraussetzungen sind: ein belastbarer Mittelspannungsanschluss, klare Lastmanagement-Strategien, flexible Betriebskonzepte und Partner mit Know how in Schwerlast Ladeinfrastruktur. Wenn diese Parameter erfüllt sind, können Stadien, Messezentren und Eventareale zu tragenden Elementen der europäischen eTruck Korridore werden.“