Die Neuvorstellungen für V2H und V2G im Check – direkt von der Power2Drive Europe 2026

Branchenneuigkeit – 13. Juli 2026

Das bidirektionale Laden verlässt die Nische der Pilotprojekte und steuert auf den Markthochlauf zu. Auf der diesjährigen Power2Drive Europe standen marktreife Lösungen im Fokus, die das Elektrofahrzeug flexibel in das Heimsystem (Vehicle-to-Home, V2H) oder direkt in den Energiemarkt (Vehicle-to-Grid, V2G) einbinden. Zwei namhafte Branchenakteure haben im Rahmen der Messe konkrete Produktpakete und Kooperationen für den deutschen Markt präsentiert.

Das die Technologie auch langfristig die Agenda bestimmt, zeigte die Kooperation von beegy und KOSTAL. Mit einer für 2027 angekündigten AC-BiDi-Wallbox und der passenden HEMS-Steuerung auf Basis offener Standards bereiten die Unternehmen schon jetzt die nächste Generation des bidirektionalen Ladens vor.

BMW und der Photovoltaik-Spezialist SOLARWATT, die bereits seit 2013 kooperieren, bauen ihre Partnerschaft weiter aus. Ziel ist die nahtlose Integration des Fahrzeugs als zusätzlicher Stromspeicher (V2H) für das Eigenheim.

Das gemeinsame Angebot richtet sich an Besitzer der neuen BMW-Modelle iX3 und i3 (der sogenannten „Neuen Klasse“) und verknüpft das Fahrzeug über die bidirektional-fähige BMW Wallbox Professional mit dem Haushalt. Die Steuerung der Energieflüsse übernimmt dabei das Heimenergiemanagementsystem (HEMS) SOLARWATT Manager, der über eine App steuerbar ist. Das Fahrzeug wird über die BMW App verwaltet.

Bei der Vorstellung auf der Power2Drive Europe machten die Verantwortlichen den finanziellen Vorteil des Systems klar: Allein durch die V2H Einbindung können 372 Euro eingespart, weitere 339 Euro können eingespart werden, wenn ein dynamischer Stromtarif eingebunden wird.

Der Marktstart für das gemeinsame V2H-Angebot in Deutschland, Österreich und den Niederlanden ist für Ende 2026 geplant. Ein V2G-Angebot stellte BMW gemeinsam mit E.ON bereits 2025 vor.

Einen Schritt weiter in Richtung Stromnetzintegration geht die Volkswagen-Tochter Elli. Gemeinsam mit den Konzernmarken Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge und CUPRA hat das Unternehmen ein integriertes Produktpaket für das Vehicle-to-Grid-Laden (V2G) in Deutschland vorgestellt. Das Besondere: Über das Fahrzeug wird Kundinnen und Kunden erstmals die aktive Teilnahme am Energiemarkt ermöglicht.
Um technische und regulatorische Hürden für den Endverbraucher zu minimieren, bietet Elli ein System aus einer Hand an:

  • Hardware & Tarif: Das Paket umfasst den Elli BiDi Charger (eine DC-bidirektionale Wallbox) sowie den spezifischen Stromtarif Volkswagen Naturstrom V2G Flow.
  • Steuerung per App: Nutzer legen über die Elli BiDi App fest, wann das Fahrzeug mit welchem Mindestladezustand bereitstehen muss. Die restliche Standzeit wird im Hintergrund energiewirtschaftlich optimiert.
  • Wirtschaftlicher Anreiz: Durch die Bereitstellung der Batteriekapazität als Puffer für das Stromnetz können Kunden im ersten Vertragsjahr einen sogenannten „Ansteckbonus“ von bis zu 720 Euro erzielen (basierend auf definierten Haltezeiten und Bedingungen).

Kompatibel sind Modelle ab der ID. Software 3.5 (mit 77-kWh-Batterie) sowie alle Modelle mit der neuen ID. Software 6. Für die technische Abwicklung der Flexibilitätsvermarktung und die Aggregation der Fahrzeuge zu einem virtuellen Kraftwerk greift Elli teilweise auf die FlexEngine-Plattform des Dienstleisters The Mobility House Energy zurück.

Die Neuvorstellungen auf der Power2Drive Europe 2026 verdeutlichen, dass die Automobil- und Energiebranche das Elektroauto zunehmend als integralen Bestandteil des Energiesystems begreift. Während die Lösung von BMW und SOLARWATT primär auf die Optimierung der privaten Eigenheimsphäre und Autarkie abzielt (V2H), adressiert der Volkswagen-Konzern über Elli die netzdienliche Einspeisung und die kommerzielle Nutzung der Fahrzeugbatterien auf dem Energiemarkt (V2G). Beide Ansätze versprechen, ungenutzte Speicherkapazitäten zu mobilisieren und damit die Integration erneuerbarer Energien zu erleichtern.

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