Bidirektionales Laden: Mit E-Autos Geld verdienen und die Netze entlasten

Pressemeldung – Freitag, 19. Juni 2026

Die Vision ist klar: Millionen Elektrofahrzeuge dienen als mobile Speicher. Die Autobatterie nimmt Strom auf und gibt ihn bei Bedarf wieder ab – in ein Gebäude, an ein technisches Gerät oder ins Stromnetz. E-Fahrzeuge tragen so dazu bei, Schwankungen bei der Stromerzeugung durch Wind und Sonne auszugleichen, die Netze zu stabilisieren und die Energiekosten zu senken. Bidirektionales Laden gilt als Schlüsseltechnologie für die Energiewende. Nach dem großen Erfolg der Sonderschau Bidirektionales Laden im vergangenen Jahr greift die Power2Drive Europe das Thema vom 23. bis 25. Juni in der Messe München erneut auf. ”The Bidirectional Zone” in Halle C6 ist der Treffpunkt, um sich über die praktische Anwendung, tragfähige Geschäftsmodelle und die flächendeckende Umsetzung zu informieren. Täglich werden geführte Touren angeboten. Am 23. Juni wird zudem die Studie „Plug, Store, Profit – Wirtschaftliche Potenziale bidirektionaler Flotten“ vorgestellt, die von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) im Auftrag der Power2Drive Europe durchgeführt wurde. Die Power2Drive Europe, die internationale Fachmesse für Ladeinfrastruktur und Elektromobilität, ist Teil der The smarter E Europe, Europas größter Messeallianz für die Energiewirtschaft. An drei Messetagen präsentieren rund 2.800 Aussteller ihre Produkte, mehr als 100.000 Besucher werden erwartet.

Bidirektionales Laden lohnt sich für Unternehmen und private Haushalte. Sie können ihre Energiekosten senken und gleichzeitig Geld damit verdienen. Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energiequellen wird im E-Fahrzeug gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt abgegeben. Entweder wird er im Haus oder Betrieb selbst genutzt (Vehicle to Home, V2H und Vehicle-to-Building, V2B), gewinnbringend ins Netz einspeist (Vehicle to Grid, V2G) oder an externe Verbraucher weitergeleitet (Vehicle to Load, V2L).

Eine aktuelle Analyse des Thinktanks Agora Energiewende geht davon aus, dass Privatpersonen in Deutschland im Jahr 2030 Erlöse von etwa 500 Euro jährlich erzielen können. Im besten Fall werden die Stromkosten für die jährliche Fahrleistung eines E-Autos sogar vollständig kompensiert. Wird das E-Fahrzeug durch eine eigene Photovoltaikanlage geladen, können die Erlöse noch höher sein. Allerdings hängen sie von den Strompreisen und Marktbedingungen ab. Interessant ist bidirektionales Laden auch für Industrie und Gewerbe mit großen Fahrzeugflotten. Neben zusätzlichen Einnahmen profitieren sie von mehr Unabhängigkeit und Flexibilität. Rund ein Drittel der Unternehmen in Deutschland planen konkret, in Elektrofahrzeuge zu investieren. Den Aufbau einer eigenen Ladeinfrastruktur planen mehr als ein Viertel der Firmen.

Auf der Power2Drive Europe 2026 steht bidirektionales Laden erneut im Fokus. © Solar Promotion GmbH

Bidirektionales Laden hat viel Potenzial. Es kann bei der Regulierung der Frequenz und der Notstromversorgung unterstützen und die Kosten der Energie- und Verkehrswende deutlich verringern. Im Oktober 2024 kam eine Studie von Transport & Environment zu dem Ergebnis, dass durch V2G allein in der Europäischen Union (EU) zwischen 2030 und 2040 über 100 Milliarden Euro an Systemkosten eingespart werden können. In Deutschland bis zu 8,4 Milliarden Euro – aufgrund des geringeren Bedarfs beim Netzausbau und durch eine effizientere Nutzung erneuerbarer Energien.

In den kommenden Jahren wird die Zahl der Elektrofahrzeuge in vielen europäischen Ländern deutlich steigen. Das stellt die Stromnetze vor Herausforderungen. Lastspitzen und die Volatiliät der erneuerbaren Energien können durch bidirektionales Laden ausgeglichen werden. Inzwischen hat die Technologie auch den Sprung von der Pilotphase in den Markt geschafft. Fahrzeugmodelle und Wallboxen, die bidirektionales Laden ermöglichen, sind im Handel. Die ISO und die IEC entwickelten einen einheitlichen Standard, der die Kommunikation zwischen Wallbox und Fahrzeug regelt. Bei der Integration in den Alltag setzt die niederländische Stadt Utrecht weltweit Maßstäbe. Die Flotte von über 100 bidirektionalen Carsharing-Fahrzeugen soll in diesem Jahr auf 500 vergrößert werden.

Der Gamechanger in Deutschland: Wegfall der doppelten Netzentgelte

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg hin zum flächendeckenden Einsatz in Deutschland sind erste regulatorische und technische Schritte. Dazu erklärt Markus Elsässer, Gründer und Geschäftsführer der Solar Promotion GmbH: „Ein echter Gamechanger ist, dass seit Januar 2026 die doppelten Netzentgelte wegfallen. Zusammen mit dem geplanten MiSpeL-Prozess (Marktintegration von Speichern und Ladepunkten) würden zudem der Bedarf an Sekundärzählern entfallen. Damit wird bidirektionales Laden nicht nur technisch einfacher, sondern vor allem wirtschaftlich profitabel. Die neuen MiSpeL-Prozessregeln der Bundesnetzagentur vereinfachen die Implementierung. Die technische Umsetzung ist deutlicher einfacher, ein zweiter kostspieliger Zähler für den V2G-Betrieb nicht mehr erforderlich. Viertelstündlich wird der Stromfluss über ein intelligentes Messsystem (iMSys) erfasst. Bidirektional entnommener und eingespeister Strom kann exakt bilanziert und vergütet werden. Nun kommt es darauf an, ein flächendeckendes System aus E-Fahrzeugen, Ladeinfrakstruktur, Energiemanagement und Netzintegration aufzubauen.

Am 23. Juni wird um 15:15 Uhr am Stand C6.450 die Studie „Plug, Store, Profit – Wirtschaftliche Potenziale bidirektionaler Flotten“ vorgestellt. Umgesetzt wurde diese von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) im Auftrag der Power2Drive Europe. Sie beschäftigt sich damit, welchen konkreten Nutzen eine Umstellung für Fuhrparkmanager und Flottenbetreiber hat. Viele Aspekte werden in der Studie beleuchtet: zum Beispiel Einsparpotenziale, Leasing und Versicherung, Steuerbefreiung, Garantie und Gewährleistung. „Die Studie bietet eine wichtige Orientierungs- und Entscheidungshilfe für Unternehmen. Sie zeigt ganz klar, dass bidirektionalen Flotten die Zukunft gehört. Denn sie verbinden nachhaltige Mobilität mit wirtschaftlichem Mehrwert für Unternehmen“, erklärt Jens Mohrmann, Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG (FWTM).

Das Power2Drive Forum bietet Vorträge zum bidirektionalen Laden an. Am 23. Juni lautet das Thema um 15 Uhr „Bidirektionales Laden: Vom Pilotprojekt zur wirtschaftlichen Realität” (auf Englisch), am 24. Juni ab 15 Uhr „Bidirektionales Laden in Deutschland und Frankreich – Erfahrungen, Hemmnisse, Perspektiven“ und am 25. Juni heißt es ab 10:45 Uhr „Vehicle-to-Grid in der Praxis: Wertschöpfung im gesamten Energieökosystem“ (auf Englisch).

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