Clever Laden und Kosten sparen. Mit Smart Charging können Elektrofahrzeuge genau dann geladen werden, wenn der Strompreis besonders günstig ist. Zum Beispiel mittags, wenn viel erneuerbarer Solarstrom in die Netze eingespeist wird oder nachts, wenn wenig verbraucht wird. Über eine App wird der Ladevorgang gesteuert und überwacht. Smart Charging trägt außerdem dazu bei, die Netze zu entlasten und erneuerbaren Strom besser zu integrieren. Besonders günstig wird das Laden des E-Autos, wenn Überschüsse aus der eigenen Photovoltaikanlage genutzt werden. Auf der Power2Drive Europe, der internationalen Fachmesse für Ladeinfrastruktur und Elektromobilität, können sich Besucher vom 23. bis 25. Juni in der Messe München über nachhaltige Mobilität und intelligentes Laden informieren. Highlights sind “The Bidirectional Zone” und eine neue Studie zum Thema „Bidirektionale Gewerbeflotten“. Sie wird von der Power2Drive Europe und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V. (FfE) vorgestellt. Die Fachmesse greift die aktuellen Marktentwicklungen auf und zeigt, wie das Zusammenspiel von E-Mobilität und erneuerbarer Energieversorgung funktioniert. Sie findet im Rahmen von The smarter E Europe statt, Europas größter Messeallianz für die Energiewirtschaft. Hersteller, Händler, Start-ups und professionelle Anwender stellen ihre neuesten Produkte, Services und Geschäftsmodelle vor. Erwartet werden rund 2.800 Aussteller und mehr als 100.000 Besucher.
Die Neuzulassungen von Elektroautos erreichen in Europa Rekordwerte. Von Januar bis April 2026 wurden allein in Deutschland 223.980 E-Fahrzeuge neu zugelassen. Ein Anstieg von über 41,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mit dem wachsenden Bestand an Elektrofahrzeugen steigt auch die Bedeutung einer netzdienlichen Integration in das Stromsystem. Insbesondere dann, wenn alle gleichzeitig laden und große Mengen an Strom benötigt werden. Intelligentes Laden wird deshalb immer wichtiger. „Technologien wie Smart Charging sorgen für mehr Flexibilität beim Laden und im Netz. Sie ermöglichen, erneuerbaren Strom gezielter und intelligenter zu nutzen und teure Lastspitzen zu vermeiden. Halter von E-Fahrzeugen profitieren vom günstigen Strom und sparen beim Laden erheblich an Kosten.“, sagt Markus Elsässer, Gründer und CEO der Solar Promotion GmbH.
Smart Charging setzt voraus, bisherige Gewohnheiten zu ändern und den Ladevorgang zeitlich anzupassen. Ob zuhause, am Arbeitsplatz, an der Raststätte oder während des Einkaufens. Eine Studie an der RWTH Aachen University untersuchte, ob die Besitzer von E-Fahrzeugen dazu bereit sind. 2.500 Halter wurden befragt. Grundsätzlich sind sie zu Veränderungen bereit. Sie müssen aber einen Mehrwert erkennen. Eingriffe in den Ladevorgang müssen fair, transparent und je nach Situation für sie nachvollziehbar sein. Wichtig für die Akzeptanz sind auch einfache Tarifsysteme und Regeln, die sich nicht ständig ändern. Komplexität verringert die Glaubwürdigkeit. Auch pauschale und intransparente Einschränkungen stoßen schnell auf Ablehnung. Smart Charging darf nicht als Verzicht oder Komfortverlust verstanden werden. Die Studie unterstreicht, dass nicht die Technologie das Entscheidende ist, sondern wie Regeln und Anreize ausgestaltet werden und ob sie alltagstauglich sind.
Smart Charging lohnt sich auch für Busunternehmen oder den öffentlichen Nahverkehr. In China sind bereits 400.000 Elektrobusse auf den Straßen unterwegs. Das sind etwa 14 Prozent der Flotte. Europa hinkt mit etwa 0,2 Prozent und Deutschland mit 0,4 Prozent deutlich hinterher. Städte und Gemeinden in Deutschland planen, in den nächsten fünf Jahren mehr als 2.000 Elektrobusse anzuschaffen. Berlin, Hamburg, München und andere Städte haben sich das Ziel gesetzt, bis 2030 ihre Nahverkehrssysteme mit rein elektrischen Busflotten zu betreiben. Elektrobusse werden nicht nur im Depot geladen, sondern auch an Haltestellen oder Endhaltestellen. Die Zeitfenster dafür sind kurz, eine hohe Ladeleistung ist notwendig. Hier bestehen große Potenziale für Smart Charging.
Bidirektionales Laden: Milliarden Euro pro Jahr einsparen
Smart Charging ist bereits möglich. Vehicle-to-Grid und bidirektionales Laden erweitern die Technologie. Das E-Fahrzeug wird aktiver Teil des Energiesystems. Es nimmt nicht nur Strom auf, sondern kann ihn in Zukunft auch zurück ins Gebäude geben oder ins öffentliche Netz einspeisen. Die Fahrzeugbatterie wird zum Speicher und zur flexiblen Energiequelle, die kurzfristig Strom bei hoher Netzlast bereitstellt. Tagsüber kann sie zum Beispiel mit Solarstrom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage geladen werden, abends gibt sie ihn wieder ab und versorgt das Haus mit Strom, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Bidirektionales Laden ist bereits marktreif. Ein flächendeckender Einsatz in den kommenden Jahren ist zu erwarten. „Nachdem die Sonderschau zum bidirektionalen Laden im vergangenen Jahr ein großer Publikumsmagnet war, greifen wir das Thema in diesem Jahr erneut auf. Denn es ist mehr als ein Trend", sagt Jens Mohrmann, Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG (FWTM). Bidirektionales Laden kann die Energiewende beschleunigen und dazu beitragen, unabhängig von Energieimporten aus Drittstaaten zu werden. Die aktuelle Energiekrise zeigt, dass wir schnell neue Wege gehen müssen. Dafür wollen wir Wegbereiter sein“, führt Elsässer fort. Laut einer Studie von Transport & Environment könnten Energieversorger und Autofahrer durch bidirektionales Laden europaweit bis zu 22 Milliarden Euro jährlich einsparen.
In der „The Bidirectional Zone” in Halle C6 werden die rasanten Entwicklungen im Bereich bidirektionales Laden vorgestellt. Besucher bekommen dort Antworten, welche Vorteile es für sie bietet. Am 23. und 24. Juni finden zum ersten Mal die „Fleet Information Days" statt. Das neue Format richtet sich mit einem spezifischen Vortragsprogramm und Netzwerkveranstaltungen speziell an Verantwortliche im Fuhrparkmanagement, die eine effiziente Elektrofahrzeugflotte und entsprechende Ladeinfrastruktur aufbauen oder erweitern wollen. Der Bundesverband Neue Mobilität bietet einen Rundgang an. Teilnehmer des Workshops „Nutzfahrzeugflotte elektrifizieren: Ab wann rechnet es sich?“ der eMobile Academy können ein Zertifikat erwerben und sich die Teilnahme als Fortbildung anrechnen lassen.
Weiteres Wissen und Austausch zum Thema Smart Charging und bidirektionales Laden gibt es auf der Power2Drive Conference am 22. und 23. Juni . In Sessions wie „Scaling EV Flexibility: Technical Progress, Economic Potential, Enabling Policy“ oder „Ready for Electrification: Preparing the Power Grid for EVs“ werden die relevanten Aspekte vertieft beleuchtet. Darüber hinaus bietet die Konferenz sowie die Messe zahlreiche Möglichkeiten zum Networking und fachlichen Austausch.
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