Der Ausbau öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur ist ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Elektrifizierung des Verkehrs. In dicht bebauten Städten mit engen Gehwegen und begrenztem Parkraum können klassische Ladesäulen an planerische, gestalterische und nutzerseitige Grenzen stoßen. Ladekabel über den Gehweg zu legen oder gar aus dem Fenster zu hängen sind keine Lösung.
Alternative Ansätze wie nachgerüstete Straßenbeleuchtung sind bereits bekannt, Ladebordsteine sind ein anderer innovativer Ansatz. Die Ladeelektronik wird direkt in die Bordsteinkante integriert, wodurch Ladepunkte platzsparend und dezent entlang von Parkstreifen realisiert werden können. Gleichzeitig wirft dieser Ansatz neue Fragen auf und macht deutlich, dass neben den Chancen auch Herausforderungen und Hürden bei Planung, Betrieb und Akzeptanz bestehen.
Ein konkretes Beispiel für die Praxistauglichkeit des Ladebordstein-Ansatzes liefert die gemeinsame Erprobung von Rheinmetall, der Stadt Köln und dem Infrastrukturbetreiber TankE. Zwischen April 2024 und März 2025 wurden im Stadtteil Lindenthal vier Ladebordsteine im öffentlichen Straßenraum getestet. Die Erprobung wurde durch eine Fallstudie begleitet, die zu folgenden Ergebnissen kam:
Mit Abschluss der Pilotphase wurden die vier Ladepunkte in den Regelbetrieb überführt, und die Ladebordsteine sind nun Bestandteil des öffentlichen Ladeangebots. Neben der technischen Robustheit zeigen die Ergebnisse, dass sich Ladebordsteine im harten Alltagsbetrieb bewähren und klassische öffentliche Ladepunkte sinnvoll ergänzen können.
Erste Serieninstallationen im öffentlichen Raum in Düsseldorf
Ein weiteres spannendes Beispiel kommt aus Düsseldorf: Die Stadtwerke Düsseldorf haben im Sommer 2025 gemeinsam mit Rheinmetall die ersten seriell gefertigten Ladebordsteine entlang der Derendorfer Allee in Betrieb genommen. Vor der öffentlichen Installation wurden die Prototypen über mehr als ein Jahr auf dem Stadtwerke-Gelände getestet. Diese Erprobung bildete die Grundlage dafür, dass die Ladebordsteine nun serienreif sind.
Das Düsseldorfer Projekt zeigt, dass Ladebordsteine nicht nur im Pilotstatus funktionieren, sondern seriell produziert, erprobt und in den regulären öffentlichen Betrieb integriert werden können. Erkennbar gemacht werden die Ladebordsteine mit Bodenmarkierungen und Schildern, die es auch an regulären Ladesäulen gibt. Einen speziellen Hinweis auf den Bordstein gibt es nicht, was gegebenenfalls zur Verwirrung führen kann.
Ein Blick ins Ausland zeigt, dass Konzepte ähnlich dem Bordsteinladen auch international erprobt werden. In London werden Lamppost-Charger installiert, kompakte Ladegeräte direkt an Straßenlaternen, die parkende E‑Autos während des normalen Straßenparkens versorgen. In New York und San Francisco testen Pilotprojekte Ladepunkte, die direkt auf der Fahrbahn in innerstädtischen Parkbuchten integriert sind und auf kurze Ladezeiten ausgelegt sind. Diese Ansätze nutzen vorhandene Straßenflächen, minimieren den Platzbedarf und liefern wertvolle Erkenntnisse für die Gestaltung urbaner Ladeinfrastruktur, ohne auf klassische freistehende Ladesäulen angewiesen zu sein.
Die bisherigen Praxisergebnisse aus Köln und Düsseldorf sind insgesamt positiv. Für einen breiten Roll-out sind jedoch zentrale Aspekte fallweise zu klären. Dazu gehört die Frage, in welchem Umfang Design, die Integration in das Stadtbild sowie ein gekapseltes und austauschbares System tatsächliche Vorteile bieten. Ebenso ist zu prüfen, ob gegebenenfalls Mehrkosten durch den Austausch bestehender Bordsteine sowie durch Anpassungen an Entwässerungs-, Kabel- und sonstige Tiefbauinfrastrukturen entstehen. Diese Fragestellungen sind je nach Einzelfall auch bei konventionellen AC-Ladestationen relevant.
Unabhängig davon ist eine gezielt angepasste Sichtbarkeit der Ladeinfrastruktur, insbesondere durch eine klare Beschilderung, ausdrücklich zu empfehlen. Während eine dezente gestalterische Integration aus städtebaulicher Sicht überzeugend sein kann, stellt sie aus Nutzersicht mitunter eine Herausforderung dar. Ladebordsteine sind ohne zusätzliche Markierungen, Beschilderung oder digitale Hinweise deutlich schwerer zu erkennen als klassische Ladesäulen, die von E-Mobilisten unmittelbar als Ladeinfrastruktur wahrgenommen werden. Dadurch steigt die Abhängigkeit von Navigations- und Lade-Apps, was insbesondere für spontane oder ortsfremde Nutzer eine zusätzliche Hürde darstellen kann.
Insgesamt sind Ladebordsteine ein innovatives und spezialisiertes Instrument im Werkzeugkasten der kommunalen Ladeinfrastrukturplanung, dessen weitere Marktentwicklung aufmerksam zu beobachten ist.