Smart kombiniert auf dem Intersolar Forum: „Der wichtigste Vorteil liegt in der Systemintegration“

Experteninterview – 17. Juni 2026

Pionierprojekte, die die Energiewende prägen – am Flughafen Schiphol in Amsterdam betreibt die auf Luftfracht spezialisierte Spedition R. Nagel einen Fuhrpark aus E-Lkws welche in einem Gesamtsystem mit Solaranlage, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und Energiemanagementsystem (EMS). Zunehmend werden solche Lösungen interessanter für Gewerbe- und Industriebetriebe. Sungrow ist Projektpartner und liefert die Batteriespeicher- und Ladeinfrastruktur. Im Interview mit Christos Tsegkis, Regional Manager EV Charging bei Sungrow wollten wir wissen, wie Kombinationslösungen wirtschaftlich geplant werden können.

Beim Projekt R. Nagel werden PV, Batteriespeicher und Schnellladeinfrastruktur für E-Lkw kombiniert. Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Vorteil dieses integrierten Ansatzes?

Der wichtigste Vorteil liegt in der Systemintegration: PV, Batteriespeicher und Schnellladeinfrastruktur werden als abgestimmtes Energiesystem geplant. So kann lokal erzeugte Solarenergie gespeichert und gezielt für das Laden der E-Lkw genutzt werden, während der Batteriespeicher Lastspitzen reduziert und die vorhandene Netzanschlusskapazität effizienter nutzt. Beim Projekt R. Nagel am Flughafen Schiphol ermöglicht dies 900 Kilowatt (kW) Ladeleistung für bis zu acht schwere E-Lkw gleichzeitig.

Wie dimensioniert man PV-Anlage, BESS und Ladeleistung sinnvoll zueinander, wenn ein Gewerbebetrieb eine wachsende E-Flotte betreiben will? Welche Lastprofile, Fahrpläne, Standzeiten und Netzanschlussgrenzen waren beim Projekt R. Nagel besonders entscheidend?

Die Dimensionierung sollte vom realen Betriebsprofil ausgehen: täglicher Energiebedarf, Ladefenster, Standzeiten, Tourenplanung, PV-Erzeugung und Netzanschlussleistung sind entscheidend. Beim Projekt R. Nagel waren der hohe Energiebedarf der schweren E-Lkw und Netzrestriktionen zentrale Faktoren. Mehrere Schnelllader, sechs PowerStack-Batterien und ein EMS mit über 200 Parametern stimmen Ladeleistung, Speicherbetrieb und Netzbezug auf Fahrpläne und Kostenbedingungen ab.

Welche Rolle spielt der Batteriespeicher konkret zwischen PV-Anlage und Schnellladeinfrastruktur: Geht es vor allem um Eigenverbrauchsoptimierung, Peak Shaving, Netzanschlussentlastung, Strompreis-Arbitrage – oder um eine Kombination aus allem?

Der Batteriespeicher übernimmt mehrere Funktionen gleichzeitig: Er erhöht den PV-Eigenverbrauch, ermöglicht Peak Shaving und entlastet den Netzanschluss. Zudem unterstützt er Strompreisoptimierung, indem Energie zu günstigeren Zeiten gespeichert und später genutzt wird. Weitere Optionen sind Peak-Valley-Arbitrage, Teilnahme am Day-Ahead- und Imbalance-Markt sowie geringere Energiekosten durch intelligentes Energiemanagement.

Wichtig sind Investitionen in Speicher, Ladeinfrastruktur und EMS sowie Installation, Inbetriebnahme und Betrieb. Beim Projekt R. Nagel senkt der integrierte One-Stop-Ansatz die Umsetzungskosten um 50 Prozent und kann zusätzliche Netz- oder Transformatorinvestitionen vermeiden. Weitere Treiber sind günstiger Solar- und Batteriestrom, Peak-Valley-Arbitrage, reduzierte Energiesteuern, Förderungen sowie Erlöse aus Day-Ahead- und Imbalance-Markt.

Welche Best Practices lassen sich aus dem Projekt R. Nagel für andere Gewerbe- und Logistikunternehmen ableiten, die PV, Speicher und Ladeinfrastruktur gemeinsam planen möchten?

Eine zentrale Best Practice ist, Ladeinfrastruktur, Speicher, PV und Energiemanagement frühzeitig gemeinsam zu planen. Unternehmen sollten heutige Flottengröße, künftige Zero-Emission-Zonen und steigende E-Lkw-Anteile berücksichtigen. Wichtig sind realistische Lastprofile, eine modulare Architektur und ein intelligentes EMS. Das Projekt zeigt zudem, dass One-Stop-Lösungen mit schneller Inbetriebnahme, Remote Monitoring, Firmware-Updates und klarer Serviceverantwortung Installationszeiten und Betriebskosten senken können.
Viele Unternehmen starten mit wenigen E-Fahrzeugen, wollen aber später deutlich skalieren.

Die Lösung sollte modular aufgebaut sein, damit Unternehmen klein starten und später ohne grundlegende Neuplanung erweitern können. Ladepunkte, Speicherleistung, PV-Erzeugung und EMS müssen dafür von Beginn an als skalierbares Gesamtsystem konzipiert werden. Beim Projekt R. Nagel ermöglichen 900 kW Ladeleistung für acht schwere E-Lkw, sechs PowerStack-Batterien und ein EMS mit über 200 Parametern einen wirtschaftlichen Betrieb heute und Ausbaupotenzial für wachsende Anforderungen.

Grundsätzlich erhöhen Unsicherheit und volatile Preise bei Gewerbe- und Industriekunden den Druck, Energiekosten und Versorgungssicherheit besser zu kontrollieren. Dadurch steigt die Nachfrage nach C&I-Lösungen wie PV, Batteriespeichern, Ladeinfrastruktur und intelligentem Energiemanagement, die Eigenverbrauch, Flexibilität und Schutz vor Preisspitzen verbessern.

Mehr Informationen zu diesem Projekt und smart kombiniert im Gewerbe- und Industriesegment gibt es auf der zugehörigen Session des Intersolar Forums.

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